Von allem das Beste

Ein Möbelstück für den Objektbereich muss anderen Ansprüchen gerecht werden als ein reines Wohnmöbel. Doch wenn es überdies noch gelingt, es universalattraktiv zu gestalten, beweist man als Designer viel Fingerspitzengefühl. So wie Martin Ballendat bei seinem neusten Sessel «LXR18».

Der ikonische Sessel «LXR18» wurde speziell für die Marke Leolux LX entworfen, die auf den Objektbereich ausgerichtet ist. Er kann in allen einfarbigen Stoffen der LX-Kollektion bezogen werden, Nähte in abweichenden Farben setzen dabei feine Akzente.
Der ikonische Sessel «LXR18» wurde speziell für die Marke Leolux LX entworfen, die auf den Objektbereich ausgerichtet ist. Er kann in allen einfarbigen Stoffen der LX-Kollektion bezogen werden, Nähte in abweichenden Farben setzen dabei feine Akzente.

Normalerweise wählen Möbelhersteller die externen DesignerInnen oder Kreativstudios, mit denen sie ein gemeinsames Projekt realisieren möchten, selber aus – nachdem sie sich im Vorfeld eingehend Gedanken darüber gemacht haben, wer, warum am ehesten dafür in Frage kommen könnte. Nicht so bei der Zusammenarbeit mit Designer Martin Ballendat. Denn der drehte den Spiess einfach um und klopfte eines Tages mit einem Prototyp im Gepäck an die Tür des niederländischen Unternehmens Leoloux. Zwar kam es bei dem vorgestellten Produkt selbst nicht zur Verwirklichung, aber die Präsentation hinterliess offenbar einen so guten Eindruck, dass Leolux das Studio «Design Ballendat» mit einem klaren Briefing beauftragte. So entstand der Sessel «LXR18». «Hinsichtlich meiner Arbeit als Designer bin ich Praktiker und Macher, meine Entwürfe, die ausschliesslich traditionell per Handskizze entstehen, wandern sehr schnell in meine Werkstatt», erklärt Martin Ballendat, international bekannt und ausgezeichnet für seinen elegant einfachen und zeitlosen Stil. Generell nimmt der Kreative die Dinge gerne selber in die Hand, verliert keine Zeit: Nach seinem Diplom in Industriedesign an der Folkwang Hochschule Essen leitete er bereits innerhalb weniger Jahre die Abteilung Design und Produktentwicklung eines grossen österreichischen Möbelherstellers. 1995 gründete er das Studio «Design Ballendat» und hat im Laufe seiner mittlerweile über 30-jährigen Karriere als Industriedesigner und Innenarchitekt eine Vielzahl bedeutender Produkte erschaffen. Dutzende davon erhielten bei internationalen Design-Wettbewerben höchste Auszeichnungen in den unterschiedlichsten Kategorien: «Ich bin stolz, dass es unserem Studio gelungen ist, sich in allen drei Hauptbereichen des Möbeldesigns gleichzeitig zu etablieren – Living, Contract und Office. Auf allen Ebenen können wir sehr erfolgreiche Referenzen mit bekannten Marken vorweisen.» Neuerdings zählt nun auch die niederländische Leolux Furniture Group dazu, die für ihr ausdrucksstarkes Möbeldesign bekannt ist und ausschliesslich in Europa und nur auf Bestellung produziert. Seit mit Sebastiaan Sanders im Jahr 2012 die Leitung des 1934 gegründeten Familienunternehmens auf die dritte Generation fiel, wurde stark am Portfolio gearbeitet, das nun zwei weitere Marken umfasst: Pode ist auf Farbe und Jugendlichkeit ausgerichtet, Leolux LX bespielt den Objektmarkt. Dies einerseits mit etablierten Designs bestehender Kollektionen, andererseits mit Neuzugängen wie dem Sessel «LXR18».

Die funktionale Eichentischplatte des Sessels «LXR18» wird nach Wahl rechts oder links angebracht und über die Rückenlehne gedreht. Gestell aus verchromtem Stahl, optional auch pulverbeschichtet in ausgewählten Farben.
Die funktionale Eichentischplatte des Sessels «LXR18» wird nach Wahl rechts oder links angebracht und über die Rückenlehne gedreht. Gestell aus verchromtem Stahl, optional auch pulverbeschichtet in ausgewählten Farben.
Der in Bochum geborene Designer Martin Ballendat gilt seit über 30 Jahren als einflussreiche Kraft in der Innenarchitektur und im Industriedesign. Für sein neustes Möbelstück arbeitete er erstmals mit dem niederländischen Familienunternehmen Leolux zusammen, das in dritter Generation von Sebastiaan Sanders geführt wird und neben Leolux selber die Marken Pode und Leolux LX unter einem Dach vereint. Foto: Monika Loeff.
Der in Bochum geborene Designer Martin Ballendat gilt seit über 30 Jahren als einflussreiche Kraft in der Innenarchitektur und im Industriedesign. Für sein neustes Möbelstück arbeitete er erstmals mit dem niederländischen Familienunternehmen Leolux zusammen, das in dritter Generation von Sebastiaan Sanders geführt wird und neben Leolux selber die Marken Pode und Leolux LX unter einem Dach vereint. Foto: Monika Loeff.

Er ist Martin Ballendats Antwort auf alle gewünschten Anforderungen an einen zeitgemässen Loungesessel mit hoher Funktionalität. Speziell entworfen für den Objektbereich und das sogenannte Smart-Office, eignet sich der Sessel dank seiner universellen und platzsparenden Kreisform, die im Entfernten an ein lächelndes Gesicht erinnert, gleichzeitig auch für das private Wohnzimmer. Keine Selbstverständlichkeit. «Denn», so erklärt der Designer, «vereinfacht gesagt würde ich behaupten, dass im Objektbereich die Männer entscheiden und im Wohnbereich die Frauen, was einen bedeutsamen Unterschied macht! Mit dem Sessel hoffe ich, beide Seiten anzusprechen: Der gemütliche Kreiskörper als Befriedung der unterschiedlichen Wünsche.» Doch nicht nur im Design unterscheiden sich die Ansprüche an die Möbel: «Im öffentlichen Bereich spielen vor allem die funktionalen Anforderungen eine grosse Rolle. So dient das schwenkbare Tablett des Sessels einerseits zum Arbeiten mit dem Notebook, andererseits als gewöhnliche Ablage. Durch den geöffneten Bereich des Sitzkörpers können Krümel leichter beseitigt werden und die Erhöhung der Sitzschale über ein Gestell schafft eine vernünftige Höhe, um darunter mühelos staubsaugen zu können.» Bei den Materialien gab es keinerlei Einschränkung, doch stand ausser Frage, dass nur Stoff beziehungsweise Leder, in Kombination mit möglichst wenig Metall, zum restlichen Möbelsortiment passt. Innerhalb eines halben Jahres war dann der erste Prototyp fertiggestellt. Aber nicht etwa von Leolux` Technikabteilung, sondern – man ahnt es schon – vom Designer selber, der abermals mit einem Prototyp in der Tür stand. Mittlerweile wird der formschöne Sessel in Serie produziert. Und, wie es nun einmal typisch ist für einen Praktiker und Macher wie Martin Ballendat, hat dieser bereits ein Sofa und die passenden Tische entworfen. Noch sind es Skizzen...

LEOLUX-LX

Text: Silja Cammarata
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 12/21•01/22

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