Die Architektin und Designerin Jutta Werner will mit ihrem Label Nomad zeigen, welche Leidenschaft in den Dingen stecken kann. Aber ist das nun eine leichte oder eine komplizierte Aufgabe, wenn man selbst zu den leidenschaftlichsten Kämpfern für simple und gute Gestaltung überhaupt gehört?
Sportlich, elegant, glamourös
Teppiche. Überall Teppiche. Aufgerollt und an den Wänden bis auf zwei Meter Höhe gestapelt, den ganzen Flur entlang, gleich hinter der Eingangstür zum Büro im obersten Stock des eleganten Hamburger Wohnhauses. Sanftes Grau, leichtes Blau und sattes Senfgelb, griffig und wollig. Und zwischen den dicken Wollfäden glitzern sie hier und da silbern. Jutta Werner begrüsst ihre erstaunte Besucherin und und es sprudelt aus ihr heraus: Diese Woche seien die Teppiche aus Indien angekommen und es sei einfach eine grosse Freude, sie endlich hier zu haben.
Zwanglos und unkompliziert empfängt Jutta Werner Gäste in ihrem Dachgeschoss-Studio, das früher einmal eine Wohnung war und im gutbürgerlichen Hamburger Stadtteil Harvestehude liegt. Für sie, so sagt die Designerin, sei das Studio ein bisschen wie ein Nest: «Hier kann ich mich zurückziehen und mich ganz meiner Arbeit hingeben – und bin doch mitten in der Stadt.» Eigentlich hat Jutta Werner Architektur studiert und bekam direkt nach Abschluss ihres Studiums die Gelegenheit, einen Messestand für JAB Anstoetz zu konzipieren. Das brachte sie in Kontakt mit der Textilbranche, der sie bis heute treu geblieben ist. Sie kuratiert zum Beispiel Stoffkollektionen, unter anderem für den Gartenmöbelhersteller Garpa. Neben Messeständen konzentrierte sie sich zudem lange Jahre auf Innenarchitektur-Projekte, nicht nur für private Auftraggeber, sondern auch für Firmen. Sie entwarf Showrooms und Pop-Up-Stores, gestaltete Fotoproduktionen für namhafte Labels wie die Teppich-Sparte von Vorwerk, den Textilhersteller JAB Anstoetz oder die Outdoor-Möbelmarke Dedon. Für letztere entwickelte sie auch Textilien mit. Darüber hinaus arbeitet sie als Interior Designerin, wenn, wie sie sagt, ein Projekt etwas in ihr anrührt. Dann fährt sie, wie für den Kids Club im Design-Spa-Hotel Haus Hirt im österreichischen Bad Gastein, auch einmal Dekostücke und Bauteile im eigenen Auto durch halb Europa. Gleichzeitig widmete sie sich über viele Jahre auch Privatkunden mit ihrer Designsprechstunde, in der sie im Gespräch innerhalb von ein, zwei Stunden ganze Konzepte für einzelne Räume entwickelte. «Raumgestaltung kann das Leben der Leute verändern und Räume können extrem viel mit Menschen machen», davon ist Jutta Werner nach wie vor überzeugt. Gutes Interior Design, und dazu gehören selbstverständlich auch die Möbel und Dekorationselemente, empfindet sie in der heutigen Zeit als eine Art «digital detox». Jutta Werner bringt es auf den Punkt: «Die digitale Welt ist oft so komplex und laut, da braucht das Auge wirklich Ruhe in der analogen.»
Voll und ganz Jutta
Dann passierte neben allem anderen, den vielfältigen Aufträgen für grosse Textillabels und dem Kümmern um die Familie mit vier Söhnen, das Unerwartete: Sie designte, einfach so und weil sie Lust darauf hatte, eine Schale aus dicker Merinowolle. Das war 2005. Zu dieser Zeit entstand zusammen mit einem Freund, der damals Inhaber einer renommierten Blumenboutique im Atlantik Hotel war, eine Idee: Sie überarbeitete die Innenarchitektur und bestückte den Laden für drei Monate komplett. «Sehr bekannte Persönlichkeiten der Stadt kauften die Objekte und der Event war überwältigend», erinnert sie sich...
NOMAD-STUDIO.DE
Den vollständigen Artikel finden Sie im Magazin RAUM UND WOHNEN. Die Ausgabe 5/20 lässt sich hier online bestellen.
Text: Barbara Hallmann
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 5/2020